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Purim für Erwachsene (Purim for Adults)

For my German readers, my dear friend, Pastor Ursula Sieg, Director of Church-School Relations in Northern Germany, with whom I have worked so closely, has graciously translated my essay on “The Adult Issues of Purim.” I hope you will find it meaningful and instructive. Thank you, Ursula, for this wonderful gift!

In den vierzig Jahren als Gemeinde-Rabbiner entwickelte sich Purim für mich vom einem netten Fest beinahe zu einem dritten Hohen Feiertag.

Wir lesen die Megillah Esther nicht mehr einfach um Esther zu bejubeln und Haman auszubuhen. Mittlerweile erwarten wir ausgefeilte Choreographien und sorgfältig eingeübte Purim-Spiele mit gewitzten Reimen gesungen zu Popsongs oder Showmusik. In der Gemeinde Beth Israel ist die clevere Lyrik von Pattie Weiss Levy legendär. Jede Gemeinde hat ihren eigenen Barden.

Wunderbar! Als Rabbiner freue ich mich über alles,, was die Beteiligung am Synagogenleben fördert und die Festfreude steigert. Um den Purim-Effekt voll zur Geltung kommen zu lassen, brauchen wir allerdings mehr als gute Musik, Rasseln, Kostüme, Karneval, Lärm und Fröhlichkeit. Wir müssen die Purim-Geschichte auf das Leben beziehen – sowohl als Kinder wie als Erwachsenen – weil sie bei näherem Hinsehen sehr lehrreich ist. Hier sind drei Beispiele:

Der Mut der Vasti

Wir sollten den Mut der Vasti bedenken, König Ahasveros’ erster Frau. Die Geschichte beginnt damit, dass der mächtigste Mann der Welt ihr befiehlt, ihre Schönheit vor seinen betrunkenen Freunden zur Schau zur stellen. Sie aber weigert sich. Sie muss natürlich für den weiteren Verlauf der Geschichte die Bühne verlassen. Aber wir sollten sie mit Standing Ovations hinausgeleiten.

Vasti ist ein wichtiges Beispiel für alle Frauen. Ihr Verhalten ist ein guter Ausgangspunkt für Diskussionen darüber, wie Frauen häufig behandelt werden, und wie sie darauf reagieren können. Vasti weigert sich, bloßes Sexobjekt zu sein, selbst wenn es sie den Thron kostet. Vasti ist ein herausragendes Beispiel einer Person, für die Berühmtheit und gesellschaftliche Stellung weniger wichtig sind als ihre Würde als Mensch.

Vorurteile

Eine lebenswichtige Lektion über Vorurteile wird uns mit der Weigerung Mordechais geschenkt, sich vor Haman zu verneigen. Haman ist verärgert, doch das Buch Esther berichtet: “… es war ihm nicht genug, nur Mordechai zu strafen, denn sie hatten ihm von Mordechais Volk erzählt.” (Esther 3,5). Nein! Wegen seines Ärgers über einen Mann trachtete Haman nach der Vernichtung aller Juden.

Gefühle gegenüber einer Person auf eine ganze Gruppe zu verallgemeinern, ist ein Beispiel aus dem Lehrbuch für Vorurteile. Traurigerweise wurde unser Volk durch die ganze Geschichte hindurch oftmals mit Vorurteilen wie im Buch Esther konfrontiert und in erschreckender Regelmäßigkeit tauchen sie wieder auf. Viele andere Gruppen werden auch mit Vorurteilen konfrontiert. Rassismus, Sexismus, Seniorenfeindlichkeit und Homophobie sind nur einige der typischen Vorurteile die der Welt heute zu schaffen machen. Die Purim-Geschichte bietet uns ein lebensnotwendiges Beispiel dieses Phänomens, das wir gewinnbringend diskutieren können.

Bestimmung des Menschen

Eine weitere lebenswichtige Lektion behandelt die Bestimmung des Menschen, den Sinn des Lebens. Als Mordechai Hamans Erlass las, der alle Juden zum Tode verurteilt, schickt er eine Nachricht an Esther, sie solle sich für ihr Volk einsetzen. Esther antwortete, dass sie sich nicht traut vor dem König zu erscheinen, weil er sie nicht gerufen hatte. Ungebeten beim König zu erscheinen, könnte das Leben kosten. Als er sie drängte hin zu gehen, stellt er Esther eine Frage, die wir uns auch stellen sollten: “Wer weiß, ob nicht wegen dieser Zeit in diese Position gekommen bist?” (Esther 4,14)

Mordechai fragt tatsächlich uns alle: Sind wir nur auf dieser Erde um Ärger zu vermeiden und das Leben zu genießen? Ist unser Komfort der vorrangige Zweck unseres Lebens? Die jüdische Tradition und das Buch Esther sagen: Nein! Esther hätte ihr Leben in Luxus genießen und das Elend ihres Volkes ignorieren können. Aber Mordechais Frage hat Esthers Gewissen genügend angestachelt, so dass sie alles riskierte um die Juden zu retten.

So wie Esther haben wir alle Momente im Leben, in denen es auf unser Tun und Lassen ankommt. Wir können diese Momente ergreifen oder uns von ihnen abwenden. Weil Esther ihre Angst überwindet und tut, was der Moment fordert, inspiriert sie uns alle.

Wenn wir also auf Purim zugehen, lasst uns mehr vorbereiten als Spaß, Spiele und tolle Musik. Den Mut der Vasti verkörpern, Vorurteile wahrnehmen und im entscheidenen Moment unsere Bestimmung erfüllen macht die Geschichte der Esther zu unserer Geschichte, eine Geschichte, die unsere jüdischen Seelen noch lange nach dem Fest bereichern kann.

(Rabbiner Stephen Lewis Fuchs ist der Autor des Buches “What is in It for Me? Finding Ourselves in Biblical Narratives. Er war President der Weltunion für progressives Judentum und Rabbiner an Congregation Beth Israel.)

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